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Drehfunkfeuer
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top
Ein Drehfunkfeuer (englische Abkßrzung VOR ) ist ein Funkfeuer fßr die Luftfahrtnavigation. Es sendet ein spezielles UKW-Funksignal aus, dem ein Empfänger im Flugzeug die Richtung zum Funkfeuer entnehmen kann. Das Flugzeug benÜtigt keine Peilanlage dafßr, da die Richtungsinformation vom Sender in das Signal kodiert wird. Die Abkßrzung VOR steht fßr VHF omnidirectional range.cite-ref-aimsec1-1-0[1]
Das eigentliche VOR ist die Bodenstation, deren Signal vom VOR-Empfänger im Flugzeug ausgewertet und als Richtungsinformation to/from bezogen auf den Standort der VOR-Bodenstation auf einem Anzeigegerät abgelesen werden kann. Sofern das VOR mit einem DME frequenzgepaart ist und am gleichen Standort zusammen betrieben wird, wird auch die Schrägentfernung angezeigt.
Kenntnisse in der Navigation nach VOR werden unter anderem in der PrĂźfung zur Erteilung eines Flugfunkzeugnisses verlangt.cite-ref-2[2]
Contents
⢠Entwicklung
⢠Funktionsprinzip
⢠VOR
⢠Beispiele
⢠Standard-VOR
⢠Mountain-VOR
⢠Doppler-VOR
⢠Geschichte
⢠Frequenzen
⢠Kreuzpeilung
⢠DME und TACAN
⢠Faustformel
⢠Container-(D)VOR
⢠Test-VOR (VOT)
⢠Bordanlage
⢠Bedieneinheit
⢠Elektronikmodul
⢠LuftstraĂen
⢠Standards
⢠Siehe auch
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Entwicklung
Rho (griechischer Buchstabe Ď) steht als Synonym fĂźr Slant-Range-Distance-Messung (dt. Schrägentfernungsmessung), welche durch Laufzeitmessung zwischen Aussendung der Abfrage an und dem Empfang der Antwort einer DME Bodenstation gemessen wird.
Theta (griechischer Buchstabe θ) steht fßr den Azimut (Heading, Direction oder Bearing) vom VOR Drehfunkfeuer Bodenstation bezogen auf magnetisch Nord. Bei Nutzung von Rho/Theta Navigation einer VOR/DME-Anlage ist damit jeder Punkt innerhalb des fßr eine VOR/DME-Anlage betrieblich festgelegten DOC (Designated Operational Coverage) durch Azimut und Entfernung eindeutig bestimmbar und erlaubt dem Piloten damit Area Navigation (dt. Flächennavigation).
VOR-Anlagen am Boden liefern den LuftfahrzeugfĂźhrern (Piloten) die Azimut-Informationen des Luftfahrzeuges in Form eines Radials (dt. Standlinie) und wird mit der Angabe to/from (dt. zu/von) zur VOR-Anlage dem Piloten auf einem mechanischen Zeigerinstrument oder einem elektronischen Ăquivalent angezeigt. To/from identifiziert dabei, ob das Luftfahrzeug auf eine VOR zu- oder von dieser weg-fliegt. Eine VOR kann von beliebig vielen Luftfahrzeugen genutzt werden.
VOR und DME wurden fßr die U.S CAA (Civil Aeronautics Authority) entwickelt und 1949 in Betrieb genommen.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Seit 1950 sind VOR und DME als Standard Short Range Air Navigation Systems (dt. Standard Flugnavigationssysteme) fßr Slant-Range-Reichweiten (Schrägentfernungs-Reichweiten) bis zu 200 NM (Nautical Miles, entspricht 370 km, wobei 1 NM = 1,852 km) von der ICAO (International Civil Aviation Organization) im ICAO Annex 10 (Anhang 10) standardisiert.cite-ref-5-7-0[7] VOR-Anlagen werden im Bereich von 108,00 bis 117,95 MHz (siehe auch Abschnitt Frequenzen) betrieben, der von der ITU (engl. International Telecommunication Union) weltweit exklusiv dem ARNS (Aeronautical Radio Navigation Service, dt. Flugnavigationsfunkdienst) fßr die von ICAO standardisierten Systeme VOR, ILS-LLZ (Instrument Landing System Localizer) und GBAS (Ground Based Augmentation System) zugewiesen wurde.cite-ref-8[8]
An Standorten, die auch fßr militärische Luftfahrt benÜtigt werden, kann fßr die Messung der Slant-Range anstelle eines DME/N-Transponders auch ein TACAN (Tactical Air Navigation)-System aufgebaut werden. DME/N-Spezifikationen basieren auf den Spezifikationen des TACAN-Systems, jedoch werden nicht die fßr eine Nutzung der Azimutinformation notwendigen Signale erzeugt und abgestrahlt. Daher kann anstelle eines DME/N-Transponders auch ein TACAN-Transponder genutzt werden, sofern dieser die ICAO-Vorgaben fßr DME/N in ICAO Annex 10 erfßllt.cite-ref-5-7-1[7] Fßr Luftfahrzeuge der militärischen Luftfahrt, die in der Regel nicht mit VOR-Empfängern ausgestattet sind, bietet das TACAN-System zusätzlich die Azimutinformation. Das derzeit von ICAO standardisierte DME/N-System unterscheidet sich jedoch in den technischen Parametern von dem in 1950 ersten von ICAO standardisierten DME-System.
Fßr Standorte, die fßr die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen schlecht geeignet sind, z. B. wegen reflektierender Objekte oder schlechter Geländetopographie, wurde ab 1959 das DVOR (Doppler-VOR) System entwickelt, das auch an schwierigen Standorten eine Nutzung erlaubt.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]
Die von DVOR-Anlagen abgestrahlten Signale sind kompatibel zu den Signalen von konventionellen VOR-Anlagen und kÜnnen daher auch von VOR-Bordempfängern verarbeitet werden. Sie erfßllen die gleichen Vorgaben, die ICAO im Annex 10-Standard an VOR-Bodenanlagen stellt.cite-ref-5-7-2[7] DVOR-Anlagen erfordern jedoch einen hÜheren technischen Aufwand. Dies betrifft sowohl die Sender, als auch die Anzahl der Antennen.
Ein DVOR-Antennen-System ist eine Sonderform eines Phased-Array-Antenne und besteht immer aus einer Alford-Loop-Antenne als Referenzantenne die der Abstrahlung eines 30 Hz-Referenzsignals dient und im Zentrum eines Antennen-Kreises steht, die rundumlaufend paar oder wechselweise angesteuert werden.
Je nachdem welche Methode zur Erzeugung des VOR-Signals gewählt besteht der Ring aus einzelnen Antennenelementen aus einer geraden oder einer ungeraden Anzahl von in einem Kreis angeordneten Alford-Loop-Antennen, wobei
⢠bei Single-Side-Band-DVOR (SSB) und Double-Side-Band-DVOR (DSB), die in einem Kreis angeordneten Alford-Loop-Antennen immer paarweise zwei gegenßber liegende Antennen mit dem VOR-Signal angesteuert werden, wobei zwischen ca. 38 bis zu max. 52 Alford-Loop Antennen verwendet werden,cite-ref-11[11] während
⢠bei Alternate-Side-Band-DVOR (ASB), die eine vereinfachte Form einer DSB-DVOR darstellen, eine ungerade Anzahl von Alford-Loop-Antennen verwendet werden. Es wird im Gegensatz zu SSB- und DSB-DVOR jedoch immer nur eine Antenne angesteuert. Dabei werden wechselweise die Alford-Loop-Antennen auf der jeweils gegenßberliegenden Seite des Kreises angesteuert.
Die Gesamtzahl der fßr eine ASB-DVOR benÜtigten Antennen immer also immer ungerade, während die Gesamtzahl der fßr eine SSB- oder DSB-DVOR benÜtigten Antennen also immer gerade ist.
Der optimale Kreisdurchmesser fßr die im Ring angeordneten Alford-Loop-Antenne beträgt 13,5 m (entspricht 45' bei 115 MHz), wobei diese auf einem Gegengewicht von ca. 30 m und bis zu 45 m Durchmesser, das sich in HÜhen von 3 m bis zu ßber 40 m ßber der GeländehÜhe (engl. Above Ground Level, AGL) befindet installiert sind. Im Gegensatz zu VOR werden keine DVOR ähnlich einer Mountain-VOR direkt auf dem Erdboden auf einem als Counterpoise wirkenden Erdnetz aufgebaut.
Funktionsprinzip
Die Besonderheit des VOR gegenĂźber einfachen (ungerichteten) Funkfeuern liegt darin, dass der Empfänger dem empfangenen Signal âansiehtâ, aus welcher Richtung es kommt; es sieht aus einer anderen Richtung auch anders aus. Um darzustellen, wie das technisch erreicht wird, zunächst ein kleines Gedankenexperiment:
Analogie zum Leuchtturm
Die Grafik rechts zeigt einen Leuchtturm, der folgende Lichtsignale aussendet:
⢠ein Lichtsignal von blauer Farbe, das als stark gebßndelter Strahl im Uhrzeigersinn rotiert und
⢠ein zweites, rundum abstrahlendes Lichtsignal von grßner Farbe, das immer dann kurz aufleuchtet, wenn der rotierende blaue Strahl genau nach Norden weist.
Ein Beobachter an beliebiger Position sieht pro Umdrehung einen grĂźnen und einen blauen Lichtblitz. Aus deren Phasenversatz ergibt sich direkt die Himmelsrichtung zum Leuchtturm: Sieht er sie gleichzeitig, steht er nĂśrdlich des Leuchtturms; sieht er sie genau abwechselnd, steht er sĂźdlich.
Dieser Vergleich ist nur eine Modellvorstellung, um darzustellen, wie die Richtungsinformation in das Signal kodiert wird. Beim VOR wird dieses Prinzip, technisch aufwendiger und präziser, mit Radiowellen umgesetzt.
VOR
Die Sendeanlage erzeugt ein komplexes Signal, bestehend aus:
1. einer gerichteten, sich mit 30 Umdrehungen pro Sekunde drehenden Komponente. Aufgrund der Richtcharakteristik der Sendeantenne empfängt das VOR-Gerät im Flugzeug ein Signal, dessen Amplitude sich 30 Mal pro Sekunde hebt und senkt â eine 30 Hz-Amplitudenmodulation.cite-ref-13[12.1]
2. einer ungerichteten Komponente, ebenfalls mit 30 Hz moduliert (30 Hz-Frequenzmodulation eines 9960 Hz-Unterträgers);cite-ref-14[12.2]
4. (optional) einem Audiokanal. VOR-Sender in der Nähe von groĂen Verkehrsflugplätzen strahlen teilweise die aktuellen Anfluginformationen (ATIS) des Flugplatzes aus.cite-ref-16[12.4]
Im Empfänger wird der Phasenunterschied (0 ⌠360°) zwischen den beiden 30 Hz-Modulationen gemessen und als Radial (Azimutwinkel 0 ⌠360°) interpretiert. Das Radial entspricht i. d. R. der missweisenden Richtung von der VOR-Station zum Flugzeug.
Beispiel: Befindet sich das Flugzeug Üstlich (90°) des VOR, so beträgt die Phasendifferenz zwischen dem gerichteten und dem ungerichteten Signal 90°. Die Spitze der Anzeigenadel des Radiokompasses (RMI Radio Magnetic Indicator) zeigt auf den Winkelwert 270°, denn das VOR steht westlich. Bei einer Position westlich des VOR (270°) beträgt die Phasendifferenz 270°. Die Spitze der Anzeigenadel des Radiokompasses zeigt auf den Winkelwert 90°, denn das VOR steht Üstlich des Flugzeugs.
DVOR (Doppler-VOR)
DVOR ist eine Abkßrzung fßr Doppler Very High Frequency Omnidirectional Radio Range = Doppler-UKW-Drehfunkfeuer. Solche Anlagen erzeugen ein äquivalentes Signal auf andere technische Weise mit hÜherer Präzision.
Im Gegensatz zum herkĂśmmlichen VOR wird beim DVOR die 30 Hz-AM-Komponente (Amplitudenmodulation) von einer stationären Rundstrahlantenne gesendet, jetzt als Bezugssignal, während der 9960 Hz-Unterträger durch schnelles Weiterschalten zwischen einer Vielzahl von Antennen (ca. 50, immer eine gerade Zahl), die auf einem Kreis mit 13,5 m Durchmesser auf einem mindestens doppelt so groĂem Gegengewicht angeordnet sind, abgestrahlt wird. Dadurch wird eine nahezu kontinuierliche Kreisbewegung des Unterträgers entgegen dem Uhrzeigersinn nachgebildet. Im Empfänger verursacht die Bewegung des Strahlungszentrums durch den Doppler-Effekt eine 30 Hz-Frequenzmodulation mit einem Frequenzhub von Âą 480 Hz, deren Phase relativ zum Bezugssignal richtungsabhängig ist (Umlaufsignal).
Beim herkÜmmlichen VOR wird das Referenzsignal als 30 Hz FM-moduliert von einer stationären Antenne ausgestrahlt; das variable Signal wird als 30 Hz AM von einer rotierenden Richtantenne erzeugt. Beim DVOR sind die Rollen von Referenz- und variablem Signal genau umgekehrt: das Referenzsignal ist 30 Hz AM von einer stationären Rundstrahlantenne und das variable Signal, 30 Hz FM, wird durch den Doppler-Effekt des umlaufenden Strahlungszentrums erzeugt. Weil Referenzsignal und variables Signal des DVOR gegenßber dem herkÜmmlichen VOR vertauscht sind, läuft das Signal auf der Kreisgruppenantenne entgegen dem Uhrzeigersinn.
Ein DVOR-Sender erreicht im Vergleich zum herkÜmmlichen VOR die zwei- bis dreifache Genauigkeit: Beim DVOR ßbersteigt der Radialfehler selten einen Wert von 1°, während er beim gewÜhnlichen VOR bis zu 2,5° betragen kann.
Beispiele
Standard-VOR
Standard-VOR werden z. T. auch als CVOR (Conventional VOR) bezeichnet. Die Antenne eines CVOR benĂśtigt ein gegenĂźber der Antenne einer Doppler-VOR-Anlage wesentlich kleineres elektrisches Gegengewicht von ca. 5 m Durchmesser. Ferner gibt es Container-VOR-Anlagen, die aus einem Container fĂźr die beiden VOR-Sender und den zugehĂśrigen Monitoren bestehen. Die Container der DFS besitzen ein ausklappbares Gegengewicht und kĂśnnen auch vorĂźbergehend als mobile Einheit aufgestellt und betrieben werden. Container VOR erfordern aber, wie jede (D)VOR-Anlage, eine erfolgreich abgeschlossene Flugvermessung fĂźr die technische und betriebliche Freigabe, damit eine operative Nutzung erfolgen kann.
Mountain-VOR
Mountain-VOR stellen eine Sonderform der Standard VOR dar, da die Antenne direkt auf dem Boden betrieben werden, z. B. VOR Wipper (ID. âWYPâ). Das Elevations-Antennendiagramm unterscheidet sich von Standard VOR.
Doppler-VOR
Doppler-VOR sind deutlich grĂśĂer und aufwendiger konstruiert als Standard-VOR, da sie die drehende Signalkomponente Ăźber einen Kranz diametrisch paarweise angesteuerter Antennen erzeugen, der mit seinem Durchmesser von 13,5 m auch optisch auffällt. Sie stehen in der Regel dauerhaft auf umzäunten GrundstĂźcken der GrĂśĂenordnung 40 m Ă 40 m. Meist ist die Antennenanlage vollständig auf einer um mehrere Meter aufgeständerten, etwa 30 m durchmessenden Massefläche montiert, um die EinflĂźsse von Gelände und Vegetation auf die Abstrahlung gering zu halten.
Geschichte
Das erste Drehfunkfeuer war der Telefunken-Kompass-Sender (um 1907).cite-ref-18[13.1] Der Sender begann mit der omnidirektionalen (ungerichteten) Aussendung seiner Kennung. Nach dem Empfang des letzten Buchstabens der Kennung wurde im Empfänger eine spezielle Stoppuhr gestartet und beim Signalmaximum wieder gestoppt.
In der weiteren Entwicklung erwies es sich als vorteilhaft, das Minimum des rotierenden Signals auszuwerten, da es sehr viel genauer festgestellt werden kann als das Signalmaximum.
In Westeuropa existierten während des Ersten Weltkrieges Stationen in Tønder (damals Deutschland), List auf Sylt, Nordholz, Borkum und eine Station im westflandrischen Houtave, in der Nähe von Brßgge in Flandern, Belgien. Zu diesen Richtsendeanlagen kamen zwei Anlagen in Cleve und Tønder, die ungerichtete Signale im Zeittakt ausstrahlten. Alle diese (Dreh)Funkfeuer dienten der Navigation von Luftschiffen. Flugzeuge waren noch nicht mit Empfängern fßr dieses System ausgerßstet.
Im Zweiten Weltkrieg wurden stark weiterentwickelte deutsche Anlagen unter der Bezeichnung Bernhard an der gesamten Westfront errichtet.
Die ersten VOR-Anlagen moderner Bauart wurden in Deutschland Anfang der 1950er Jahre in Betrieb genommen. Das Grundnetz bestand damals aus acht Stationen.
Laut dem Deutschen Funknavigationsplan (DFNP) des Bundesministeriums fĂźr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) werden die VORs und DVORs seit 2005 sukzessiv abgebaut. Laut der Deutschen Flugsicherung wird âaus Sicherheits- und RedundanzgrĂźndenâ davon ausgegangen, âdass wir auch in der Zukunft zumindest ein âBackup-Netzwerkâ an terrestrischer Infrastruktur vorhalten werden.â
Frequenzen
(D)VOR-Bodenstation senden im Frequenzband 108,000 MHz bis 119,950 MHz auf Frequenzen mit 50 kHz Kanalabstand zwischen 112.000 MHz bis 117,950, sowie im Bereich 108,000 bis 111,850 MHz auf geraden 100 kHz-Frequenzen (108,000 MHz, 108,050 MHz, 108,200 MHz usw.)cite-ref-19[12.5]cite-ref-21[14.1], während ILS-LLZ (Instrument Landing System-Localizer, dt. ILS-Landekurssender) auf ungeraden 100 kHz-Frequenzen zwischen 108,100 MHz und 111,950 MHz senden (108,100 MHz, 108,150 MHz, 108,300 MHz usw.).cite-ref-22[14.2]cite-ref-19-1[12.5] Zusätzlich ist der Bereich 108,025 MHz bis 117,975 MHz fßr die Nutzung von GBAS (Ground Base Augmentation System) im 25 kHz Kanalabstand verfßgbar.cite-ref-23[14.3] Nach erfolgreicher internationalen Frequenzkoordinierung, technischer und operativer Freigabe werden (D)VOR Anlagen unter anderem in Luftfahrtkarten und der IFR-AIP (Luftfahrthandbuch) verÜffentlicht.
Azimut und Radial
Das VOR-System, bestehend aus Bodensender und Bordempfänger, liefert eine Information, nämlich das Azimut des Flugzeugs vom VOR-Sender, d. h. den Winkel zwischen dem durch die Bodenstation verlaufenden (magnetischen) Meridian und der Verbindungslinie BodenstationâFlugzeug. VOR-Sender sind i. d. R. so ausgerichtet, dass das 360°-Radial in die magnetische Nordrichtung weist (missweisend). VORs in der Nähe der magnetischen Pole mit hoher Variation sind hingegen auf den geographischen Nordpol ausgerichtet (rechtweisend).
Eine vom VOR-Sender weg gerichtete Funkstandlinie mit einem gegebenen Azimut wird als Radial bezeichnet. FĂźr die Praxis der Flugnavigation gibt es 360 Radiale. Es wird nicht mit Dezimalstellen gearbeitet, nur mit ganzen Zahlen. Ein Radial ist also ein gerichteter Vektor (allerdings nur mit Richtungsangabe, ohne GrĂśĂe) mit der Richtung vom Funkfeuer weg. Denn im Gegensatz zu einem Lichtstrahl vom Leuchtturm funkt unsere Funkstandlinie (z. B. R-040) auch noch Ăźber den Mittelpunkt hinaus in die Gegenrichtung (also Richtung 220° = 40° + 180°). In diese andere Richtung wird sie aber definitionsgemäà als R-220 bezeichnet.
Wie alle Kursangaben und Kompassangaben werden auch die Richtungsangaben der Radiale immer dreistellig geschrieben und gesprochen. Dabei werden alle drei Ziffern einzeln ausgesprochen. Die Worte Hundert oder Zehn, Zwanzig, DreiĂig usw. werden dabei nicht verwendet. Beispiel: 40° ist R-040 und wird ausgesprochen: Radial NullâvierâNull. Radial 0° (also Nord) wird Ăźblicherweise nur als R-360 (Radial dreiâsechsânull) bezeichnet.
Positionsbestimmung
Eine exakte Positionsbestimmung ist mit einem VOR allein technisch nicht mĂśglich, da es nur eine Information Ăźber die Funkstandlinie vermittelt, auf der sich die Position befindet. Die genaue Position auf dieser Standlinie muss separat bestimmt werden, entweder per Kreuzpeilung oder durch eine separate Entfernungsmessung zum VOR.
Kreuzpeilung
Bei dieser Methode wird noch ein zweites VOR angepeilt und dessen Standlinie bestimmt. Die eigene Position ergibt sich als Schnittpunkt der beiden Standlinien. Die Präzision dieser Messung ist am hÜchsten, wenn die beiden Standlinien rechtwinklig zueinander stehen.
DME und TACAN
â
Hauptartikel
:
Distance Measuring Equipment
Oftmals ist eine (D)VOR zusätzlich mit einer Funknavigationsanlage zur Slant-Range-Entfernungsmessung â mit einem DME/N oder TACAN â kombiniert. In Deutschland ist das bei etwa drei Vierteln aller Drehfunkfeuer der Fall. Das DME (Distance Measuring Equipment â Entfernungsmessgerät) im zivilen Luftfahrzeug zeigt die Slant-Range-Entfernung zum DM/NE-Transponder in Nautischen Meilen (NM) an. Die Frequenzwahl des DME-Kanals erfolgt Ăźber die Einwahl der VHF-Frequenz an dem ILS- oder VOR-Bediengerät, oder Ăźber das FMS (Flight Management System). Wird am Standort der (D)VOR kein DME/N oder TACAN betrieben, erfolgt keine Entfernungsanzeige. Sofern aber sich ein DME/N, TACAN, (D)VOR/DME oder (D)VORTAC innerhalb des RLOS des Luftfahrzeuges in Betrieb ist, kann die Entfernungsanzeig die Slant-Range Entfernung zu dieser Anlage anzeigen.
Faustformel
Mit einer Stoppuhr lässt sich die Entfernung zu einem VOR auch ohne DME folgendermaĂen abschätzen:
Man dreht auf einen Kurs, bei dem das VOR auf 90° oder 270° steht (fliegt also rechtwinklig zur Standlinie) und bestimmt die Zeit t {\displaystyle t} , nach der sich eine bestimmte Kursablage Îą Îą {\displaystyle \alpha } ergibt, zum Beispiel 2°. Die Entfernung d {\displaystyle d} zum VOR ergibt sich dann unter Anwendung der Kleinwinkelnäherung zu d = v t Îą Îą {\displaystyle \textstyle d={\frac {vt}{\alpha }}} ( Îą Îą {\displaystyle \alpha } im BogenmaĂ) bzw. d = 180 â
â
v t Ď Ď â
â
Îą Îą g r a d {\displaystyle \textstyle d={\frac {180\cdot vt}{\pi \cdot \alpha _{\mathrm {grad} }}}} ( Îą Îą g r a d {\displaystyle \alpha _{\mathrm {grad} }} im GradmaĂ).
Passende Umformung des Bruches ergibt folgende hinreichend genaue und im Kopf handhabbare Faustformel:
Geschwindigkeit Ăźber Grund â
â
Dauer des Querfluges in Minuten Betrag der erreichten Kursablage in Grad â â Entfernung zum VOR {\displaystyle {\frac {{\text{Geschwindigkeit Ăźber Grund}}\cdot {\text{Dauer des Querfluges in Minuten}}}{\text{Betrag der erreichten Kursablage in Grad}}}\approx {\text{Entfernung zum VOR}}}
Das Ergebnis ist abhängig von der Einheit der Geschwindigkeit zu interpretieren: Geschwindigkeit in Knoten ergibt Nautische Meilen, Geschwindigkeit in km/h ergibt Kilometer. Erreicht man beispielsweise bei einer Geschwindigkeit von 80 Knoten in einer halben Minute 3° Kursablage, so beträgt die Entfernung zum VOR ungefähr
80 k t s â
â
0 , 5 m i n 3 â â â â 13 , 3 N M {\displaystyle {\frac {80\,\mathrm {kts} \cdot 0{,}5\,\mathrm {min} }{3^{\circ }}}\approx 13{,}3\,\mathrm {NM} }
Das liegt weniger als fĂźnf Prozent neben dem geometrisch errechneten Wert von:
80 N M h â
â
1 120 h tan ⥠⥠3 â â â â 12 , 72 N M {\displaystyle {\frac {80\,{\frac {\mathrm {NM} }{\mathrm {h} }}\cdot {\frac {1}{120}}\,{\text{h}}}{\tan {3^{\circ }}}}\approx 12{,}72\,\mathrm {NM} }
DOC (Designated Operational Coverage) und seine Einschränkungen
Das DOC (Designated Operational Coverage) ist das im Luftfahrthandbuch (engl. Aeronautical Information Publication, AIP) verÜffentlichte operative Nutzungsvolumen einer (D)VOR-Anlage. Es spezifiziert die flugbetrieblich (engl. operational) maximal nutzbare Entfernung (engl. Range) und Flugfläche (Flight Level, FL).
Der ICAO-Standard in ICAO Annex 10, Volume I definiert eine fßr die Nutzung einer (D)VOR notwendige Mindestfeldstärke (engl. Minimum Fieldstrength) von 90 ¾V/m (Mikrovolt pro Meter), die innerhalb des DOC an jedem Punkt im Raum vorhanden sein muss. Aufgrund physikalischer Bedingungen (Aufzipfelung des Antennendiagramms, Abschattung durch Gelände und Hindernisse) ist es jedoch unmÜglich im gesamten DOC die von ICAO geforderte Mindestfeldstärke zu erzeugen. Wenn fßr eine (D)VOR-Anlage eine Reichweiteneinschränkung (abhängig von Azimut und HÜhe) notwendig ist, wird diese im Luftfahrthandbuch verÜffentlicht.
Die von (D)VOR-Anlagen in Europa genutzte äquivalente isotrope Strahlungsleistung (engl. EIRP) variiert zwischen ca. 50 W bis 400 W, abhängig davon welche Reichweite betrieblich benÜtigt wird. Zusätzlich besteht im ICAO-Standard die Forderung, das Signale von anderen (D)VOR-Anlagen, die die gleiche Frequenz innerhalb des Radio-Horizonts (Radio-Line-of-Sight, RLOS) des DOC nutzen im DOC um mindestens 20 dB schwächer, als die geforderte Mindestfeldstärke sein muss.cite-ref-24[14.4]cite-ref-25[12.6]
Befindet sich das Luftfahrzeug auĂerhalb des RLOS ist unabhängig von der Strahlungsleistung kein Signal einer (D)VOR empfangbar.
Innerhalb des RLOS, kann zwar ein Signal empfangen werden, jedoch wird aufgrund des unteren Kante der Haupkeule des Antennendiagramms die Mindestfeldstärke erst ab der MRA (Minimum Receive Altitude, dt. notwendige MindestflughÜhe zum Empfang) die zur Verarbeitung der (D)VOR Signale notwendige Mindestfeldstärke von 90 ¾V/m erreichencite-ref-27[15.1]cite-ref-28[12.7] und bis zu einem Erhebungswinkel von 40° bezogen auf die (D)VOR-Antennen Boresight (Luftfahrzeug bezogen auf die Antenne der (D)VOR-Anlage).cite-ref-29[12.8] Die MRA kann je nach (D)VOR-Antennentyp, Standort bzw. Gelände variieren.
Oberhalb von einem Erhebungswinkel von 40° kann es zu Unterschreitung der Mindestfeldstärke kommen, oder die Richtungsinformation des empfangenen Signals ist mehrdeutig.
Die Unterschreitung der geforderten Mindestfeldstärke ist darin begrĂźndet, das (D)VOR-Antennen nur in einem beschränkten Elevationswinkelbereich in der Antennen-Hauptkeule die geforderte Mindestfeldstärke erzeugen kann. Oberhalb von 40 ° Erhebungswinkel, folgen dann abwechselnd Nullstellen des Antennendiagramms (Notches) und weitere im Gewinn und damit Feldstärke zunehmend schwächer werdende Antennen-Keulen (Antenna Lobes). Bei Unterschreitung der Mindestfeldstärke wird dieser Kegel generell als âConeâ,cite-ref-27-1[15.1] oder als COS (Cone Of Silence, dt. Schweigekegel) bezeichnet. Diese Benennung wird auch bei anderen Flugfunknavigationsanlagen, z. B. DME/N, TACAN verwendet.
Es werden mindestens zwei verschiedene Antennentypen zur Erzeugung eines VOR-Signals benÜtigt, z. B. ein mechanisch rotierender, verkßrzter, horizontaler Dipol fßr die variable Phase des rotierenden Signal und ein Kreuzdipol fßr das Referenzsignal. Beide Antennentypen besitzen zwar horizontale Polarisation, aber aufgrund unterschiedlicher Elevations-Antennendiagramme, HÜhen ßber Grund und/oder einem Antennen-Gegengewicht weichen oberhalb 40° Erhebungswinkel die Elevation-Antennendiagramme voneinander ab. Hierdurch variiert die Feldstärke der beiden VOR-Signal-Anteile. Wenn eines der beiden Signale zu schwach ist, kann das VOR-Signal im Empfänger nicht verarbeitet werden oder es kommt zu einer fehlerhaften Auswertung der Phasendifferenz zwischen der Referenz und der rotierenden Phase. Anstelle von COS wird dies dann auch als COA (Cone-Of-Ambiguity) bezeichnet.
Da die Anzeige des VOR-Instrumentes im Schweigekegel nicht zuverlässig ist, wird dann im Anzeigefeld des Naivigationsempfängers eine rote Warnflagge eingeblendet.
Kennung und optionaler Voice-Channel
(D)VOR und VOT besitzen einen Klarnamen und eine Kennung (engl. Identification, ID)cite-ref-30[16], die bei der internationalen Frequenzkoordinierung koordiniert werden. Diese wird vor der Freigabe einer Flugnavigationsanlage zur Nutzung im nächsten Update des Luftfahrthandbuchs des jeweiligen Landes verÜffentlicht. Eine Identification besteht in Europa aus zwei oder drei Buchstaben.cite-ref-31[14.5] Der Klarnamen kann von einem Flugplatz oder einer Stadt abgeleitet werden, z. B. Frankfurt VORTAC (ID: FFM), wobei in Einzelfällen auch ein freigewählter Name, z. B. VOR Metro bei Frankfurt (ID: MTR) gewählt wird. Bei Standortwechsel kann ein etablierter Klarname und die ID an einem neuen Standort weiterbetrieben werden. Eine Identification darf nicht innerhalb von 600 NM von einem Standort fßr eine andere Flugnavigationsanlage, z. B. (D)VOR, ILS, DME/N oder TACAN erneut verwendet werden.cite-ref-32[14.6]
Nicht verwendet werden dĂźrfen die Buchstaben-Kombinationen ID âGATâ, âOATâ,cite-ref-33[14.7] sowie die ID âTSTâ die fĂźr Flugnavigationsanlagen im Testbetrieb reserviert sind.cite-ref-34[14.8] Die Identification wird im Morse-Codecite-ref-35[17] alle 30â40 s mit 7 WPM (Words Per Minute) durch Tastung eines Tons mit 1020 Hz Âą50 Hz ausgesendet.cite-ref-36[12.9]
Eine Duplizierung der Identification mit der Identification von NDB-Anlagen kann in Einzelfällen vorkommen, da diese in Europa lange Zeit getrennt von den anderen Flugnavigationsanlagen koordiniert wurden. Bei Frequenzpaarung einer (D)VOR mit einem DME/N oder einer TACAN erhalten alle Anlagen den gleichen Klarnamen und Identification. Optional steht bei jeder (D)VOR und VOT ein Voice-Channel (dt. Sprachkanal) mit einer Bandbreite von 300 Hz bis 3000 Hz zur Verfßgung.cite-ref-37[12.10] Im Gegensatz zu ILS-Landekurssendern (ILS-LLZ), bei denen der Voice-Channel zur Aufsprache der Kennung verwendet werden, wird der Voice-Channel bei (D)VOR fßr sich wiederholende Ansagen wie ATIS oder VOLMET verwendet. In Deutschland wird kein Voice-Channel bei einer (D)VOR oder VOT mehr verwendet, die letzte Nutzung war bis zu deren Abbau die VOT Hamburg.
Im Sprechfunkverkehr buchstabiert man die zwei oder drei Buchstaben der Identification im ICAO-Alphabetcite-ref-39[18.1] (dt. internationales Fliegeralphabet) aus, z. B. wird die Id. âGDRâ als GolfâDeltaâRomeo buchstabiert. Im Flugfunk wird immer nur einfach âVORâ gesagt und nicht âVOR/DMEâ oder âVORTACâ. Wenn es klar ist, dass es sich um ein VOR handelt, wird meist nur einfach der Name gesagt â ohne den Zusatz âVORâ. Beispiel: âcleared to Frankfurt via Nienburg and Warburgâ.
Der Name von Intersections wird mit fĂźnf Buchstaben angegeben, um sie deutlich von VORs zu unterscheiden. Beispiel: die Flugstrecke BUDDAâDERFAâVISLAâPRGâWERLA fĂźhrt also Ăźber genau ein VOR: das PRG-VOR.
Kennungs- und/oder Namensdoppelungen kommen innerhalb 600 NM Abstand in Europa mit Ausnahme von wenigen NDB nicht vor. Sofern eine Dopplung auf der Flugroute auftritt erfolgt meist eine Zwischenabfrage, indem die Art und die Koordinaten der beiden gleichnamigen Funkanlagen angezeigt werden.cite-ref-40[14.9]
Der Name und der Standort, wo sich das VOR befindet, muss nicht zwingend gleich sein. Das VOR WIL (Willisau) in der Schweiz befindet sich einige Gemeinden weiter in Grossdietwil.
Kartendarstellung
Auf Luftfahrtkarten gibt es separate Symbole fĂźr
⢠VOR
⢠VOR mit DME
⢠VORTAC
Es wird nicht zwischen VOR und DVOR unterschieden.
In den Kompassrosen um VORs auf der Luftfahrtkarte ist die magnetische Missweisung bereits berĂźcksichtigt.
Bodeneinrichtungen
Reichweite; Kategorien von VORs
In Europa gibt es keine standardisierten Vorgaben zu Reichweite, FlughĂśhe oder Kategorien wie von der FAA in den USA. Eine (D)VOR die auf dem Gelände eines Flugplatzes steht ist nicht generell auf Anflugverfahren beschränkt, sondern kann auch fĂźr Streckennutzung mit einem DOC groĂer Reichweite betrieben werden (z. B. DVORTAC NĂśrvenich mit 60 NM oder Helgoland mit 45° bis 202° 60 NM/FL 500, 202° bis 45° 200 NM/FL 500).
In den USA werden von der FAA VORs nach ihrer Reichweite (engl. service volume) in drei Kategorien unterteilt, je nachdem wie weit der garantierte, deutliche Signalempfang ohne Interferenzen reicht.
⢠High Altitude VOR (HVOR) â Reichweite maximal 130 NM bei 45.000 ft, 100NM 60.000ft ATH
⢠Low Altitude VOR (LVOR) â Reichweite 40 NM bei 18.000 ft
⢠Terminal VOR (TVOR) â Reichweite 25 NM bei 12.000 ft, wird generell als Anflughilfe benutzt.cite-ref-42[19.1]
Hier folgt noch die AufschlĂźsselung der Reichweiten nach der FlughĂśhe.
⢠HVOR:
⢠1.000 bis 14.500 ft â 40 NM
⢠14.500 bis 18.000 ft â 100 NM
⢠18.000 bis 45.000 ft â 130 NM
⢠45.000 bis 60.000 ft â 100 NM
⢠LVOR: 1.000 bis 18.000 ft â 40 NM
⢠TVOR: 1.000 bis 12.000 ft â 25 NM
Von einer TVOR-Station kann häufig die ATIS empfangen werden.
Container-(D)VOR
Wenn eine (D)VOR-, (D)VOR/DME- oder (D)VORTAC-Anlage längere Zeit ausfällt (z. B. Umbau, Erneuerung), wird von der DFS, sofern betrieblich gefordert, eine Container-VOR, -VOR/DME oder -VORTAC aufgestellt, die den Betrieb während der Ausfallzeit ßbernimmt. Container-VOR, -VOR/DME und VORTAC erhalten eine eigene Frequenz, bzw. ein Frequenzpaar. Sie nutzen nicht die Frequenzen der zu ersetzenden (D)VOR-, (D)VOR/DME- oder (D)VORTAC-Anlage, da sonst die notwendige technische Abnahme der zu erneuernden Anlage nicht ohne Abschaltung der Container-VOR mÜglich wäre. Eine Container-VOR, -VOR/DME oder VORTAC wird, wie jede andere Flugnavigationsanlage, erst nach erfolgreicher internationaler Frequenzkoordinierung, sowie nach technischer und betrieblicher Freigabe im Luftfahrthandbuch verÜffentlicht. In zeitkritischen Fällen kÜnnen die Daten der Anlage zusätzlich in einem oder mehreren NOTAMs verÜffentlicht werden.
Test-VOR (VOT)
Eine âVery High Frequency Omni Testâ-Anlage (VOT) erlaubt Piloten die Funktionsfähigkeit der VOR-Empfänger zu testen. FĂźr Staaten, die VOT-Systeme in Betrieb nehmen wollen, stellt die ICAO im Dokument Annex 10, Band 1, Anhang E entsprechende Empfehlungen zur VerfĂźgung.cite-ref-43[12.11]
Das VOR-Instrument zeigt bei Einwahl einer VOT konstant ein 360-Grad-Radial an. Als Nutzungsbereich an Flughäfen werden z. B. Ramps, Taxiways, Intersections und andere Standorte im RLOS der VOT von der FAA spezifiziertcite-ref-45[20.1], kĂśnnen jedoch auch an anderen Standorten stehen, solange die VOR Mindestfeldstärke erreicht wird. VOT-Anlagen unterliegen den gleichen Anforderungen, die fĂźr (D)VOR von ICAO gestellt werden und werden nicht explizit in ICAO Annex 10 Volume I aufgefĂźhrt. Sie wurden jedoch im ICAO DOC-8071 Volume I âManual on Testing Radio Navigation Aidsâcite-ref-47[21.1] bis zur Edition 4 erwähnt. Die amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) hat Standortauswahlkriterien (engl. Siting Criteria) fĂźr VOT in der FAA Oorder 6810.2 definiert.cite-ref-48[22] In Deutschland ist heute (Stand November 2024) keine VOT mehr in Betrieb. Die letzte genutzte VOT war die VOT-Anlage in Hamburg. Diese wurde nur zur Abstrahlung einer sich wiederholenden Broadcast-Sprachnachricht genutzt.
Kombinierte Bodeneinrichtungen
(D)VOR/DME
(D)VOR/DME-Anlagen sind eine Kombination aus einem DME/N-Transponder zur Slant-Range Entfernungsmessung und einer (D)VOR fĂźr den Azimuth bezogen auf magnetisch Nord. Etwa drei Viertel aller Drehfunkfeuer in Deutschland verfĂźgen Ăźber einen DME/N- oder einen TACAN-Transponder. VOR zeigt die Richtung von der Bodenstation zum Flugzeug an; DME zeigt die Entfernung zum DME-Transponder in Nautischen Meilen (NM) an. Die Kombination von VOR und DME ermĂśglicht die Positionsbestimmung mit Hilfe einer einzigen Bodenstation (Rho-Theta-Navigation).
(D)VORTAC
Bei (D)VORTAC-Anlagen wird der DME/N-Transponder einer (D)VOR/DME durch einen TACAN-Transponder (Tactical Air Navigation) ersetzt. Hierdurch kann eine VORTAC Anlage sowohl von zivilen als auch militärischen Luftfahrzeugen genutzt werden. TACAN ist eine militärische Flungnavigationsfunkanlage die nicht nur eine zu DME/N Spezifikationen kompatible Slant-Range Entfernung liefert, sondern zusätzlich auch eine Azimuth Information, ähnlich zu (D)VOR, im UHF-Frequenzbereich (962 bis 1213 MHz) fßr militärische Luftfahrzeuge abstrahlt. TACAN- und DVOR-Anlagen bieten eine hÜhere Azimutgenauigkeit als konventionelle VOR-Anlagen.
Bordanlage
AusrĂźstungsvorschrift
In Deutschland werde fĂźr FlĂźge nach IFR Vorgaben gemäà der FlugsicherungsausrĂźstung-Verordnung (FSAV)cite-ref-50[23.1] zwei Empfangsgeräte fĂźr die Signale von (D)VOR-Flugnavigationsanlagen, die die nach gĂźltigem internationalen Standard geforderte StĂśrfestigkeit gegenĂźber den Aussendungen von den im benachbarten Frequenzbereich 87,5 â 108 MHz gelegenen UKW-Rundfunksendern (FM-Immunity) aufweisen, benĂśtigt. Davon kann ein Empfangsgeräte fĂźr (D)VOR-Flugnavigationsanlagen entfallen, wenn eine von der VOR-Navigations-Empfangsanlage unabhängige funktionsfähige FlächennavigationsausrĂźstung nach FSAVcite-ref-51[23.2] vorhanden ist.
Die Bordanlage besteht neben Antenne, Stromversorgung und Verkabelung aus folgenden Bausteinen. Je nach Einbausituation kÜnnen mehrere Bausteine in einem Gehäuse kombiniert werden.
Bedieneinheit
Hier wird die Frequenz der gewßnschten VOR-Bodenstation eingestellt. Manche VOR-Geräte bieten die MÜglichkeit, zwei Frequenzen einzustellen: die aktuell aktive Frequenz und eine vorgewählte Frequenz (Stand-By-Frequenz). Per Knopfdruck tauscht man die beiden Frequenzen.
Ist das Flugzeug mit ILS ausgestattet, wird hiermit zugleich die Frequenz des Gleitwegsenders (Frequenzband 329,15âŚ335,00 MHz) eingestellt.
Ist das Flugzeug mit DME ausgestattet, werden i. d. R. hiermit zugleich die Sende- und Empfangsfrequenzen des DME (Frequenzband 960âŚ1215 MHz) eingestellt.
Anzeigeinstrument
Verschiedene Arten von Anzeigegeräten kÜnnen verwendet werden:
⢠Radio Magnetic Indicator (RMI). Ein Zeiger dreht sich auf einer Kompasskarte und zeigt zur VOR-Bodenstation hin; die Kompasskarte wiederum wird vom Kurskreisel gedreht und zeigt den missweisenden Steuerkurs an. Der Pilot kann am RMI sowohl die missweisende Peilung zur VOR-Bodenstation (QDM) als auch die relative Peilung der VOR-Bodenstation (links/rechts) ablesen.
⢠Course Deviation Indicator (CDI â Kursablageanzeige). Je nach Bauart dreht sich die Anzeigennadel um den obersten Punkt, beziehungsweise wandert sie durch Parallelverschiebung nach rechts oder links. Die Anzeigennadel zeigt auf eine Skala mit einem mittleren Punkt und je 5 Punkten rechts und links. Jeder Punkt entspricht einer Abweichung von 2° vom Sollkurs. Der Sollkurs wird mit dem OBS-Drehknopf (Omni Bearing Selector â Kurswahlknopf) eingestellt. Ist der Winkel zwischen OBS-Einstellung und aktuellem Radial < 90°, zeigt eine Flagge FR(OM), Dreieck nach unten. Ist der Winkel > 90°, zeigt die Flagge TO, Dreieck nach oben. Bei einem Winkel ~ 90° sowie beim Ăberfliegen des VOR-Senders bleibt die Flagge verborgen. Bei gestĂśrtem Empfang erscheint eine Warnflagge.
⢠Kreuzzeigerinstrument. Ist das Flugzeug mit ILS ausgestattet, kommt statt des CDI ein Kreuzzeigerinstrument zum Einsatz. Die vertikale Nadel (Ausschlag links/rechts) hat die Funktion wie beim CDI. Die horizontale Nadel (Ausschlag oben/unten) zeigt die Abweichung vom Gleitpfad an.
⢠Horizontal Situation Indicator (HSI). Der HSI kombiniert die Funktion des CDI mit der Kurskreiselanzeige.
⢠Electronic Flight Instrument System (EFIS). Informationen vom VOR-Empfänger kÜnnen im Navigation Display des EFIS dargestellt werden. Oft werden herkÜmmliche elektromechanische Instrumente wie RMI und CDI im EFIS nachgeahmt.
Elektronikmodul
In groĂen Flugzeugen ist das Elektronikmodul im Avionik-Abteil untergebracht. In anderen Flugzeugen ist es mit der Bedieneinheit und/oder dem Anzeigeinstrument integriert.
Vergleich mit anderen Navigationssystemen
Drehfunkfeuer sind Short Range Flugnavigationsanlagen in dicht besiedelten Ländern mit flachen Landschaften mit maximalen Reichweiten von 200 NM, während fĂźr Nutzung von Sektoren die Meer und Ozeane abdecken auch 300 NM bei FL 700 mĂśglich sind (z. B. Shannon ID âSHAâ).cite-ref-53[24.1] In engen Tälern sind VORs wegen der starken Reflexion der UKW-Signale an den Bergen ungeeignet, dort ist man auf NDBs angewiesen wie beispielsweise beim Flughafen Innsbruck.
Aus Kostengrßnden bleibt die bequeme, aber teure VOR-Navigation hoch entwickelten Ländern vorbehalten, in dßnn besiedelten (Entwicklungs-)Ländern sind NDBs unverzichtbar fßr die Flugnavigation. Inseln wie Tuvalu findet man nicht ohne NDB, dort wird es wohl auch zukßnftig kein VOR geben.cite-ref-0-54-0[25]
Globale Navigationssatellitensysteme (GNSS) verdrängen allmählich VOR/DME. In Deutschland sind VOR/DME nach wie vor die fßr Instrumentennavigation gesetzlich vorgeschriebenen Primärinstrumente.
LuftstraĂen
LuftstraĂen wurden ursprĂźnglich hauptsächlich Ăźber Funknavigationsanlagen, darunter auch VOR-Funkfeuer, gefĂźhrt und ihr Verlauf wurde von diesen definiert. Die Verzweigung von LuftstraĂen erfolgte oft an VORs. Seit EinfĂźhrung der Flächennavigation (RNAV) werden LuftstraĂen und Meldepunkte (Kreuzungen) zunehmend unabhängig von bodenseitigen Funknavigationsanlagen wie VORs definiert, was die Kapazität des Luftraums deutlich erhĂśht.
Die Verbindungslinie zwischen zwei Funkfeuern (VOR, NDB usw.) ergibt durch deren unveränderliche Position zwingend einen Kurs, der auch OBS-Kurs genannt wird. In der Flugkarte findet man diesen Kurs neben der LuftstraĂe eingezeichnet, er ist nicht zu verwechseln mit dem Radial des VORs (zum Beispiel R-345), welches den Gegenkurs (Âą 180°) zum eigentlichen Kurs anzeigt.
Bewegt man sich auf einer LuftstraĂe auf ein Funkfeuer zu, nennt man dies âinboundâ, bewegt man sich davon weg, so bezeichnet man das als âoutboundâ.
Standards
VOR-Empfänger:
⢠ARINC (Aeronautical Radio, Inc): Characteristic 579-1, 5.Feb.1971, Airborne VOR Receiver
⢠EUROCAE (European Organisation for Civil Aviation Equipment): ED-22A, Sep.1981, ED-22B, Jan.1988, Minimum Performance Specification for Airborne VOR Receiving Equipment,
⢠RTCA (Radio technical Commission for Aeronautics): DO-196, Minimum Operational Performance Standards for Airborne VOR Receiving Equipment Operating within the Radio Frequency Range of 108 -117.95 MHz, 17. Nov.1986
(D)VOR Sender:
⢠EUROCAE: ED-52, Ed.2, Minimum Performance Specification for Ground Conventional and Doppler Very High Frequency Omni Range (CVOR and DVOR) Equipment, Aug.1984,
⢠BNetzA (Bundesnetzagentur fßr Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen): SSB FL 019 Schnittstellenbeschreibung fßr Drehfunkfeueranlagen (VOR, D-VOR), Jan.2017,cite-ref-55[26]
Siehe auch
⢠DME (Distance Measuring Equipment)
⢠LFR (Low-Frequency Radio Range) â Funknavigationssystem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
⢠TACAN (Tactical Air Navigation) â Rho-Theta-Standard-Flugnavigationssystem fĂźr die militärische Luftfahrt von NATO-Mitgliedsländern
⢠RSBN â russisches Drehfunkfeuersystem mit ähnlichem Prinzip
Weblinks
Commons
: Drehfunkfeuer
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
⢠techn. Details von VOR und DVOR â Verfahren der Funknavigation: Navtec (PDF; 88 kB)
⢠Arthur O. Bauer: Some historical and technical aspects of radio navigation in Germany over the period 1907 to 1945; Diemen (NL), 2004 (PDF; 1 MB)
⢠Funkentelegrafie und Peilfunk in der deutschen Kriegsluftschiffahrt (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.today)
Einzelnachweise
cite-note-aimsec1-11. â Section 1. Navigation Aids. In: Aeronautical Information Manual â faa.gov. United States Department of Transportation â Federal Aviation Administration, 22. Mai 2022, abgerufen am 28. August 2022 (englisch).
cite-note-22. â Beispiel: PrĂźfungsfragen zum BZF I und II, ab Seite 46 (Memento vom 2. Juli 2020 im Internet Archive), PDF der Bundesnetzagentur, abgerufen am 21. Mai 2023
cite-note-33. â Rho-Theta System of Air Navigation, P. C. SANDRETTO, Electrical Communication, Vol.27, Nr. 4, December 1950.
cite-note-44. â Technical Development Report No. 113, TDR-113, The CAA VHF Omnirange, H. C. Hurley, S. R. Anderson and H. F. Keary, June 1950, Technical Development and Evaluation Center Indianapolis. (nonstopsystems.com [PDF]).
cite-note-55. â Report 540-2, Vol.I, Final Report on Evaluation of Omni-Bearing-Distance System of Air Navigation, by W. R. Rambo, J. S. Prichard, D. P. Duffy, R. C. Wheeler, A. E. Dusseau, Jr., and S. Goldstein, October 1950, Airborne Instruments Laboratory Instruments Inc.
cite-note-66. â TDR-114 (Technical Development Report No. 114), UHF Distance Measuring Equipment for Air Navigation, By. R. C. Borden, C. C. Trout and E. C. Williams Electronics Division, June 1950.
cite-note-5-77. â ICAO, International Standards and Recommended Practices, Aeronautical Telecommunications, Annex 10, Edition 1, Mai 1950.
cite-note-88. â ITU Radio Regulations Articles, Edition 2024.
cite-note-99. â TDR-392 (Technical Development Report No. 392), The CAA Doppler Omnirange, Sterling R. Anderson, Robert B. Flint, April 1959, Federal Aviation Agency, Technical Development Center.
cite-note-1010. â Die Weiterentwicklung des Drehfunkfeuer (VOR) zum Doppler Drehfunkfeuer (DVOR), Dipl. Ing.W.Feyer, Sonderdruck Luftfahrttechnik â Raumfahrttechnik, Band, 14 (1968) Nr. 7/8, 186/193.
cite-note-1111. â Doppler Drehfunkfeueranlagen zur ErhĂśhung der Navigationsgenauigkeit im Luftverkehr, W. Feyer, K.Nattrodt, 1966.Juli.
1. ICAO, International Standards and Recommended Practices, Volume I Radio Navigation Aids, Annex 10, Edition 8, July 2023. (icao.int).
2. Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Telefunken Gesellschaft fßr drahtlose Telegraphie. gleichzeitig als 100. Ausgabe der Telefunken Zeitung. Jahrgang 26, Mai 1953.
3. ICAO, EUR-Doc-011, European Frequency Management Manual for Aeronautical Mobile and Aeronautical Radio Navigation Services, Edition 2023.December. (icao.int [PDF]).
4. ICAO Doc-8071, Manual on Testing of Radio Navigation Aids, Ed.1, Am.1,. 1. Januar 1961.
cite-note-3016. â WĂśrterbuch der ICAO-Terminologie, Englisch â Deutsch, Deutsch â Englisch, Sonderdruck der Bundesanstalt fĂźr Flugsicherung, D-6000 Frankfurt (Main) 1, Opernplatz 14.8. 1981.
cite-note-3517. â ITU Recommendation ITU-R M.1677-1, International Morse code, Oktober.2009. (itu.int [PDF]).
5. ICAO, Aeronautical Telecommunications, Annex 10 Vol.II, Communication Procedures including those with PANS status, Edition 6, Amendment 82, 22. November 2007, abgerufen am 20. November 2011. (icao.int [PDF]).
6. AIP United States, 5. September.2024. (faa.gov).
7. FAA Catalog No.24005, Flight Inspection Fundamental, Oktober.1970.
8. ICAO, Doc-8071, Vol.I, Ed,2, Manual on Testing of Radio Navigation Aids, 1969.
cite-note-4822. â U.S:, FAA Order 6810.2, Very High Frequency (VHF) Omnirange Test (VOT) Siting Criteria, 1989.04.17.
9. Verordnung ßber die Flugsicherungsausrßstung der Luftfahrzeuge (FSAV), 26.11.2004, zuletzt geändert durch Art. 13 G v. 17.12.2018 I 2549. (gesetze-im-internet.de).
10. IFR AIP, Ireland, AIRAC Amdt 007/22. 14. Juli 2022 (airnav.ie [PDF]).
cite-note-5526. â BNetzA (Bundesnetzagentur fĂźr Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen): SSB FL 019 Schnittstellenbeschreibung fĂźr Drehfunkfeueranlagen (VOR, D-VOR), Jan.2017, abgerufen 2024.November.25. (bundesnetzagentur.de [PDF]).